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1

Dienstag, 12. Januar 2010, 08:35

Schulbildungsstand – eine Betrachtung

Es vergeht kein Tag in der BRD, an dem nicht die Obrigkeit, zusammen mit dem dankbaren Harz IV-Empfänger und dem nicht minder dankbaren 1 Euro-Jobber, die geschönte Zahl von 3 Millionen Arbeitslosen als unveränderbare Naturkonstante bejubelt. Andererseits aber wird beklagt, dass es in kurzer Zeit immer mehr an deutschen Ingenieuren fehlen wird, was von den genannten Untertanen auch nicht weiter reflektiert wird, holen doch die Berliner Vordenker zwecks Behebung dieses Missstandes Talente aus der Wüste Gobi oder Vodoo Regenmacher aus dem afrikanischen Busch in das Land der BRD-Eingeborenen..
Warum auch nicht?
Gilt es doch hierzulande als ausgemacht, dass derjenige, der mit dem BRD-Zertifikat „Abitur“ die Schule verlässt, in der großen Masse nur noch bedingt hochschultauglich ist.
Einen in großen Teilen zutreffenden Überblick über die Ursache dieses Niederganges unseres Schulsystems gibt der Autor Karl-Heinz Weißmann in der dieswöchigen Ausgabe der Jungen Freiheit (JF) unter dem etwas irritierenden Titel: „Mut zur Differenz.“

Zitat

Die Ursache dieser Misere ist so bekannt, daß ein Aufstöhnen zu vernehmen ist, sobald man sie nennt. Aber es bleibt dabei, daß die Denunziation des Leistungsprinzips durch die Linke und deren unheilige Allianz mit Bildungsbürokratie wie Konsumindustrie seit den sechziger Jahren eine Entwicklung vorbereitet und durchgesetzt hat, an deren Ende wir heute stehen.
Was da im Namen von „Demokratisierung“ und „Chancengleichheit“ und „Selbstentfaltung“ propagiert wurde, traf anfangs auf die Skepsis, wenn nicht den Widerstand der breiten Bevölkerung, die immer noch von der Erfahrung geprägt war, daß Leistung der gerechteste Maßstab für die soziale Stellung eines Menschen sei.“

stellt er zutreffend fest, und fährt fort:

Zitat

„Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich in Deutschland jedenfalls die Vorstellung durchgesetzt, daß Anstrengungsbereitschaft und Tüchtigkeit zwar keine Garantie dafür sind, daß man es einmal besser hat als die Eltern, aber doch eine gewisse begründete Aussicht bieten. Der Aufstieg der Industrienation sowie der Wiederaufbau nach den zwei Weltkriegen 1918 und 1945 verdankten sich vor allem Leistungswillen und Leistungsfähigkeit der Deutschen und einem Bildungssystem, das darauf abgestimmt war, beides zu beanspruchen und zu belohnen, das heißt: Auslese zu treiben.“

Auch hier hat er zweifellos recht, und wenn er schreibt:

Zitat

„Man muß sich deshalb Schulen und Universitäten der Vergangenheit nicht als Idylle ausmalen. Selbstverständlich war die Besetzung von Lehrstühlen auch damals schon eine Frage von Politik und intrigantem Können, selbstverständlich gab es Zahllose, die nur ein „Brotstudium“ trieben, betrachtete das gehobene Bürgertum das Gymnasium als Gesamtschule seines Standes, schickte man Widerspenstige notfalls in die „Presse“, die Thomas Mann so anschaulich in den „Buddenbrooks“ geschildert hat, und biß diejenigen weg, die nicht „dazugehörten“, selbstverständlich gab es unnötige Härten und sinnlose Examen.
Aber auf das Ganze hin war das Ergebnis imponierend. Die Qualität der deutschen Facharbeiterschaft, die durch die Volksschulen gegangen war, konnte – wie die der technischen Intelligenz, die Real-, Fach- und Fachoberschulen besuchte, oder die der hauchdünnen Schicht von humanistisch Gebildeten – jeden Vergleich zu ihren Gunsten bestehen. Bis in die Nachkriegszeit dürfte das deutsche Bildungssystem das beste der Welt gewesen sein.“

dann ist ihm uneingeschränkt zu zustimmen.

Besonders die letzten beiden Sätze sind hervorzuheben.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zu meiner Zeit Hauptschüler ein Handwerk lernten, den Meister machten und es mit eigenem Betrieb, Können und Fleiß zu Wohlstand brachten. Zum Volksschultreffen Jahre später kamen sie mit dem Auto, und die Herren Studenten fuhren eben Fahrrad; den Wohlstand der Hauptschüler haben viele Abiturienten nicht erreicht.
Heute bedeutet Hauptschule zu 98% Arbeitslosigkeit, Taxi fahren oder Harz IV.

International waren deutsche Spitzenkräfte bis weit nach dem Kriege in der Breite konkurrenzlos, das deutsche (duale) Bildungssystem galt als nonplusultra.

Den mittlerweile eingeschlagenen Weg zur Verblödungsschule sieht Weißmann in der hierzulande üblichen, bis in das Götzenhafte gesteigerten, Anbetung alles Fremden.

Zitat

„Seine Zerstörung war nur deshalb möglich, weil man – in typisch deutscher Manier – irgendwann an die Überlegenheit des Fremden zu glauben begann, des amerikanischen campus und der englischen secondary schools etwa, und anfing, Schule wie Hochschule mit Forderungen zu überziehen, die sie nicht erfüllen konnten.
Von der Idee, in den Bildungseinrichtungen den demokratischen (fallweise: sozialistischen) Zukunftsmenschen vorzubereiten, bis zu der, hier würde der drogenfreie, sexuell offene und kommunikative Typus geformt, für den es nicht auf Kenntnis und Verstehen, sondern auf „Kompetenzen“ ankommt, die er in der „Wissensgesellschaft“ souverän benutzt, um sich ganz nach Wunsch auf jedem beliebigen Gebiet firm zu machen, reicht eine ununterbrochene Folge von Mißbräuchen und Mißverständnissen.“

Das stimmt; daher wird auch demnächst an den BRD-Kaderuniversitäten der angelsächsische Studiengang „Management Directory“ für deutsche Gymnasial- oder Gesamtschulabsolventen eingeführt.
Das Studienfach, zu Deutsch: „Direktor“, natürlich nur in englischer Sprache absolviert, denn die deutsche Artikulation wird schon heute zunehmend an deutschen Universitäten untersagt, garantiert dem nichtsnutzigen Dummkopf ein Leben in der Haute-Volée. Und wenn wir dann ein Volk von Direktoren sind, importieren wir die Arbeiter mit technischen Zertifikaten aus Indien, damit nicht alle deutschen Führungskräfte von Harz VIII leben müssen…..

Schließlich bringt Weißmann den Mißstand auf den Punkt:

Zitat

„ Eins verbindet sie alle: Es soll in Schule und Hochschule nicht um das gehen, worum es zwangsläufig gehen muß, also Lehren und Lernen, wobei der Lehrer lehrt und der Schüler lernt – der Lehrer, weil er das kann, und der Schüler, weil er das soll. Für das Können des Lehrers wie das Sollen des Schülers gibt es Maßstäbe; wer vor denen versagt, muß der Auslese anheimfallen.
Dieser Zusammenhang ist so simpel und so unbestreitbar, daß er in den Bildungsdebatten keinesfalls genannt werden darf. Denn jeder weiß oder kann wissen, daß der Krebsschaden unseres Schulsystems fehlende Auslese ist. Die Einführung schulartiger Konzepte in den Kindergärten geht nicht zusammen mit der Weigerung, die Kinder in der Grundschule zu benoten. „

Anders ausgedrückt: Das Experiment, das quälende „Ohne Fleiß kein Preis“ mit der Spaßschule zu umgehen, hat eine einst führenden Wirtschaftsmacht in den Abgrund geführt.
Weißmann schließt:

Zitat

„….der politische Druck, der in manchen Bundesländern schon ausgeübt wird, um den Durchschnitt bei Klassenarbeiten zu heben, aber jedenfalls um hohe Absolventenzahlen zu erzwingen oder die Leute mit unbrauchbaren, aber wohlklingenden Titeln in die Arbeitslosigkeit zu schicken – das alles hat nur einen Zweck: echte Auslese zu vermeiden.
Eine mächtige Phalanx von Gesellschaftsingenieuren und Schlechtweggekommenen, Ungebildeten und Zynikern ist entschlossen, dieses Tabu aufrechtzuerhalten, selbst wenn das deutsche Bildungssystem daran zugrunde geht.“
Die Aussage des ersten Teils des letzten Absatzes kann fast täglich überprüft werden. In Berlin beispielsweise können unfähige Hauptschüler, die kein Wort deutsch sprechen können, per Losentscheid ein Gymnasium besuchen. Und auch die bekommen in Berlin ihr Abitur, weshalb sich Schulsenator Zöllner als politisch erfolgreicher Integrationsmanager feiern lässt.

Im zweiten Teil zählt Weißmann die Gruppen der Schuldigen auf, von denen die „Schlechtweggekommenen“ für mich die bedeutungsvollste ist.
Das sind jene 68er, deren Dummheit in Schulnoten von Fächern wie Mathe, Physik, Chemie, Biologie u.a. ingenieurrelevanten Fächern abzulesen war, aber, die seit der 68er Jahre in den – ausschließlich auf Politik und Ideologie beschränkten - Laberfächern „Geschichte“ (Thema Böser Hitler, guter Marx), Gemeinschaftskunde Thema Böser Hitler, guter Lenin) und Religion (Thema Böser Hitler, guter Teufel – nein, nein, nicht der aus der Bibel, sondern der linke 68er-Apo-Gardist Fritz Teufel – mit ihren, durch die im Gesicht Sauerkraut-tragenden „modernen“ Pädagogen verliehenen, guten Noten glänzten…..und deshalb, nach Ausbildung an den elenden roten Pädagogischen Hochschulen, selber Lehrer geworden sind, um ihre eigene Dummheit dem deutschen Nachwuchs als,…. sagen wir..“Kompetenz“ zu verkaufen.

Eine Gruppe aber hat Herr Weißmann nun doch vergessen zu erwähnen: die Eltern:

Das ist jener Personenkreis, von denen sich ein nicht unerheblicher Anteil jeden Tag von der Glotze und den darin erscheinenden Figuren sagen lässt, was gut und was richtig ist, und die das alles wörtlich glauben (letzte Beispiel: Es ist gut, wenn der Bürger zur Bekämpfung des Klimawandels Aberhundertmilliarden Euro mir und meinen Freunden in den Rachen schmeißt.) Und damit diese Eltern nicht zu viel Zeit mit ihren Kindern vertrödeln und möglichst lange intensiv verblödet werden können, dürfen die lieben Kleinen sich den Mist gleich mit ansehen – von A-Z! Und wenn das Kind auch noch spontan die Frage beantworten kann: "Mit wem war Naddel zuerst im Bett", dann platzen diese Eltern fast vor Stolz; das ist wie eine Eins in Deutsch und Mathe.

Der Schlusssatz in dem gut geschriebenen Artikel zeigt aber, dass auch so ein Autor wie Weißmann manchmal desarrangiert sein kann: Das Bildungssystem geht nicht zugrunde, sondern es ist schon kaputt, und stürzt nur noch weiter ins Bodenlose….

http://www.jungefreiheit.de/Single-News-…72e429a2.0.html

2

Dienstag, 12. Januar 2010, 08:48

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zu meiner Zeit Hauptschüler ein Handwerk lernten, den Meister machten und es mit eigenem Betrieb, Können und Fleiß zu Wohlstand brachten. Zum Volksschultreffen Jahre später kamen sie mit dem Auto, und die Herren Studenten fuhren eben Fahrrad; den Wohlstand der Hauptschüler haben viele Abiturienten nicht erreicht.
Heute bedeutet Hauptschule zu 98% Arbeitslosigkeit, Taxi fahren oder Harz IV.



Damals gab es auch nicht viel mehr Handwerker als heute.

Hybris

memento mori

Beiträge: 2 963

Aktivitätspunkte: 14 960

Beruf: Staats- und Wirtschaftswissenschaftler, Organisator, Kunsthistoriker

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3

Dienstag, 12. Januar 2010, 12:20

Damals gab es auch nicht viel mehr Handwerker als heute.


Hat er das behauptet? :thumbsup:

Qualität!

Das dreigliedrige Schulsystem hatte seinen Zweck in Kombination mit einer realistischen Einschätzung der Fähigkeiten von Schülern bei gleichzeitig vernünftigen und maßvollen Eltern, die mit der eigenen Zunft, Arbeit und dem eigenen Stand zufrieden und nicht voller Komplexe, Faulheit und Dummheit waren (68er!). ;)
Antihumanismus ist wahre Humanität!

4

Dienstag, 12. Januar 2010, 13:18

Ach ja? An welchen Schulen bekommt man hier Lenin, Marx und Fritz Teufel als leuchtende Vorbilder präsentiert? ?(

Keine Ahnung an welcher Schule der Mönch war, aber mein Geschichtslehrer waren entweder Konservative oder liberale Gutmenschen, bei den Religionslehrer schwankte es zwischen durchgeknallten Erzkonservativen und Heile-Welt-Predigern.
"Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt,die eigene Nationalität zu vergessen,so ist das kein Ausfluß von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die Fremdherrschaft zu verewigen."

Friedrich Engels

"Für das Erlernen des aufrechten Gangs in Richtung Freiheit ist das Selbstbestimmungsrecht der deutschen Nation sozialistisch zu konkretisieren."

Rudi Dutschke

5

Dienstag, 12. Januar 2010, 15:24

Ach ja? An welchen Schulen bekommt man hier Lenin, Marx und Fritz Teufel als leuchtende Vorbilder präsentiert? ?(Keine Ahnung an welcher Schule der Mönch war, aber mein Geschichtslehrer waren entweder Konservative oder liberale Gutmenschen, bei den Religionslehrer schwankte es zwischen durchgeknallten Erzkonservativen und Heile-Welt-Predigern.


Eine Bitte, lieber Sozialist: zitieren Sie mir bitte den Abschnitt, an dem ich behaupte, daß man hier Lenin, Marx und Fritz Teufel, den heute keiner mehr kennt, als Vorbilder präsentiert bekommt.

Wenn Sie genau gelesen haben, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, daß ich die Zeitform des Imperfekt (Präteritum) und, bereichsweise, des Perfekts gewählt habe. Und das ist auch so gemeint.

Für Sie zur Verdeutlichung:
Wenn festgestellt wird:
"In der Nachkriegszeit war es an vielen Gymnasien üblich, Schuluniformen zu tragen",
dann können Sie doch nicht hier im Forum fragen:
"Ach ja? An welchen Schulen trägt man hier Schuluniformen? ". - Nicht wahr.

Ihren Äußerungen über Ihre Schule entnehme ich, daß Sie im Zeitraum zwischen den fünziger und mittleren 60er Jahren letzten Jahrhunderts die Schulbank gedrückt haben. Ich habe dies etwas später getan. Für Sie dazu eine kleine Episode:

Unser Religionslehrer, ein reformierter Pastor, der bei einem in seiner Phantasie existierenden Schülerstreik "...mit der roten Fahne vorangehen wollte", zeichnete in seinem Religionsunterricht desöfteren Bilder von den Protagonisten des 3. Reiches. Als er auf meine fragenden Einwände einmal wütend brüllte:"Der Hitler hätte sich bei seinen häufigen Wutanfällen vor allen Leuten auf den Boden geworfen, dann in den Teppich gebissen und mit den Fäusten auf den Boden getrommelt", mußte ich lachen. Und als ich dann, inmitten meiner, ob der Beschreibung des bösen Wahns, betroffenen, mit todernster Miene dreinschauenden Klassenkameraden, 90% davon Mitglieder im SDS (Sozialisticher Deutscher Schülerbund), gefragt hatte, ob ein sabbernder Kretin denn die ganze Welt in Atem halten könne, hat er mich mit sich vor Wut überschlagender Stimme angeschrien:" Auf Ihre Mitarbeit lege ich keinen Wert mehr" und somit´rausgeschmissen. Ihn nun zu fragen, ob er sich nicht auch hinschmeißen, in den Teppich beißen und mit den Fäusten auf den Boden trommeln wolle, kam mir zwar in den Sinn, aber dazu war ich dann doch zu feige, - und bin nach Hause gegangen.

Tja, lieber Sozi, da ist Ihnen etwas entgangen; im Falle einer geringen Spätergeburt hätten Sie vielleichtauch etwas erleben können, - und heute vielleicht einen anderen Nicknamen.

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