Welch schöner Gedenktag für den westdeutschen Kleinbürger. Der einzige Schönheitsfehler dabei ist die Behauptung, Walter Ulbricht bzw. das "Mauermörder-Regime" sei für den Mauerbau verantwortlich gewesen. Dies dürfte in Anbetracht der Souveränitätslage der DDR - wie auch der Bundesrepublik - in diesen Jahren kaum gegeben sein. Tatsächlich wurde der Mauerbau zwischen Chruchtschow und Kennedy vereinbart, um den Status Quo in Europa abzusichern. Entgegen der öffentlichen Empörungen und Treueschwüre - "Ich bin ein Börliener" - hat der Westen den Mauerbau unterstützt, der im übrigen auch den bundesrepublikanischen Eliten nicht wirklich ungelegen kam. Hatte der reaktionäre Oberwestler Adenauer doch spätestens seit Gründung der Bundesrepublik alle Versuche, den unhaltbaren Zustand zweier deutscher Staaten zu überwinden, massiv torpediert. Er fürchtete die Vorherrschaft der protestantischen, ehemals preußischen Teile Deutschlands, was seiner kleinbürgerlich-katholischen Bonner Republik den verdienten Todesstoß versetzt hätte.
„Unsere Hoffnung ruht in den jungen Leuten, die an Temperaturerhöhung leiden, weil in ihnen der grüne Eiter des Ekels frisst; in den Seelen von Grandezza, deren Träger wir gleich Kranken zwischen der Ordnung der Futtertröge einherschleichen sehen; sie ruht im Aufstand, der sich der Herrschaft der Formen entgegenstellt, und der einer neuen Waffe, des Sprengstoffs bedarf, auf dass der Lebensraum leergefegt werde für eine neue Hierarchie“ (Ernst Jünger, Das Abenteuerliche Herz)